BMW (VEB) Kollektivieren: Kapitalismuskritik von Kevin Kühnert (SPD) hinter kapitalistischer Paywall

von Nachrichten-Fabrik.de, 02.05.2019, 21:53 Uhr

Es war der Aufreger des Tages, an dem man heute als Nachrichten-affiner Internetnutzer nicht vorbeikam. Kevin Kühnert (SPD) hatte wohl am 1. Mai 2019 etwas Befremdliches in einem ZEIT-Interview von sich gegeben. Laut Hörensagen soll es darum gehen, dass Kühnert vorgeschlagen haben soll BMW zu kollektivieren. Es geht also darum den bayerischen Autokonzern auf die Belegschaft oder gar den Staat zu übertragen. Muss also 'ne geile Story sein. So richtig kontrovers und links-populistisch. Aber was genau hat der Jusos-Chef dazu gesagt? Es soll ja schon vorgekommen sein, dass Zitate aus dem Zusammenhang gerissen wurden ...

OK, also kurz gegoogelt und nach dem besagten Interview sowie dem konkreten Inhalt und Wortlaut gesucht.

1,23 Sekunden später das Ergebnis. *Klick*
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"Was heißt Sozialismus für Sie, Kevin Kühnert?"
Der Titel klingt interessant. Auch der Teasertext macht Lust auf mehr. Kühnert will offenbar die Kollektivierung von Unternehmen wie zum Beispiel BMW. Warum ausgerechnet BWM? Warum nicht VOLKswagen? Auch fordert er wohl, dass es kein Eigentum an Wohnraum mehr geben soll. Spinnt denn jetzt der total? Nach Deutsche Wohnen will Kühnert jetzt auch BMW enteignen? Was hat der denn geraucht? Fragte auch Parteigenosse Johannes Kahrs.

Steile Thesen. Aber warum eigentlich dieser Hype um dieses Interview? Dass Kevin Kühnert als linker Politiker linke Ansichten und Thesen verbreitet, dürfte doch eigentlich niemanden überraschen oder wundern!

Doch der Anreißertext reicht nicht. Ich will den Volltext. Jetzt bin angefixt! Will Kühnert tatsächlich die DDR 2.0? *runterscroll*

Kevin Kühnert erscheint als Breitbildformat-Porträt. Er fasst sich mit der rechten Hand (nicht mit der linken!) an die Stirn und verdreht die Augen nach links(!) oben. Die Bildunterschrift "Mieten oder kaufen? Für Kevin Kühnert eine Frage des Gemeinwohls." Ich dacht es geht um BWM?

OK, egal. Das Interview beginnt. *Spannung*
Der erste Satz: DIE ZEIT: "Herr Kühnert, Sie denn sich einen Sozialisten, Was verstehen Sie darunter?"

Ääähhh, ich habe erst einmal eine andere Frage! Warum ist die Bildschirmauflösung so komisch verschwommen?

Antwort: Weil das Interview mit der ZEIT hinter einer Paywall (Bezahlschranke) liegt. *kurz sprachlos*

Nur wenn man bezahlt, kann man das komplette Interview lesen, von dem alle reden/schreiben. OK, als interessierter Leser, der jetzt unbedingt wissen will, was Kühnert genau und im Wortlaut zu BMW gesagt hat, kann man den Dienst natürlich 4 Wochen kostenlos testen. Erst danach kostet eine Woche für alle ZEIT-Artikel 5 EUR.

Sicher, 5 EUR sind nicht die Welt, aber letztendlich geht es um kostenpflichtige Abonnements. Unterm Stricht geht es aber darum, dass Leser oder potenzieller #niewiederSPD-Wähler für das Interview mit dem bezahlen sollen. Bezahlen bedeutet konsumieren. Konsum bedeutet Kapitalismus.

Um es auf den Punkt zu bringen:
Kevin Kühnert verbreitet also sein Kollektivierungsansichten in Sachen BMW auf einer kapitalistischen Plattform. Nur wer bezahlt, kann inhaltlich mitreden und nachvollziehen, was genau er gesagt hat und meint. Die ZEIT-Verlagsgruppe (Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. KG) konnte 2018 ihren Umsatz übrigens um gut 10 Prozent auf 220 Millionen EUR steigern. 10 Prozent mehr? Das sieht ja die aktuelle Dividendenrendite von BMW für 2018 in Höhe von 4,63 % mickrig dagegen aus ... 

Um die Frage "Was heißt Sozialismus für Sie, Kevin Kühnert?" zu beantworten: Für Kevin Kühnert bedeutet Sozialismus offenbar seine sozialistischen bzw. antikapitalistischen Thesen und Anschichten hinter einer kapitalistischen Paywall zu verstecken. Geht's noch scheinheiliger, Kevin Kühnert?



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