Goldpreismanipulation nach unten - vorteilhaft für Käufer

von Claus Vogt, 17.08.2021, 13:51 Uhr

Als aufmerksamer Goldanleger haben Sie es sicherlich mitbekommen: Zu nachtschlafender Zeit wurden am Montagfrüh, den 9. August 2021 an der US-Terminbörse Gold-Kontrakte im Nennwert von über 4 Mrd. $ verkauft. Warum für diesen Verkauf eine Zeit gewählt wurde, zu der die Marktliquidität extrem gering und der Einfluss der Order auf den Kurs entsprechend groß ist, entzieht sich leider unserer Kenntnis.

Prinzipiell kommen aber nur zwei Antworten in Frage: Entweder sollte der Goldpreis nach unten manipuliert werden, oder es wurde eine rücksichtslose Zwangsliquidierung eines in Not geratenen Großanlegers durchgeführt.   

Zwangsliquidierung unwahrscheinlich      

Für den Fall einer Zwangsliquidierung stellt sich allerdings die sehr berechtigte Frage, warum diese Order nicht marktschonend abgewickelt wurde, um einen möglichst hohen Kurs zu erzielen. Das wäre natürlich im Interesse des zwangsliquidierten Kunden gewesen, aber auch in dem der liquidierenden Bank, die das Vertrauen ihrer Kunden sicherlich nicht vorsätzlich verspielen möchte.

Aufgrund dieser Überlegungen halte ich es für unwahrscheinlich, dass der Kursrutsch durch eine Zwangsliquidierung eines in Not geratenen Großanlegers ausgelöst wurde. Vielmehr drängt sich die Annahme einer absichtlich durchgeführten Kursmanipulation auf.      

„Normale“ Anleger wollen einen hohen Verkaufskurs      

Das Thema Preismanipulationen am Goldmarkt haben Roland Leuschel und ich in einer Ad-hoc-Meldung unseres Börsenbriefes Krisensicher Investieren am Dienstag, den 10. August ausführlich besprochen. Dass solche Manipulationen stattfinden, steht außer Frage. Anders lassen sich die immer wieder zu sehenden sehr großen Orders nicht erklären, die unlimitiert in Zeiten geringer Liquidität aufgegeben werden, also außerhalb der üblichen Handelszeiten.

Schließlich will jeder „normale“ Anleger zu einem für ihn möglichst vorteilhaften Kurs kaufen oder verkaufen. Um dieses Ziel zu erreichen, muss er marktschonend vorgehen. Er wird seine Aufträge also entsprechend vorsichtig gestalten, indem er sie stückelt und nur dann an den Markt gibt, wenn ein reger Handel zu erwarten ist, also zu den üblichen Handelszeiten und nicht mitten in der Nacht.      

Manipulation des Goldpreises an den Terminmärkten      

Wer hingegen ausgerechnet dann aktiv wird, wenn die meisten Marktteilnehmer schlafen und nur geringe Umsätze stattfinden, hat offensichtlich nicht das Ziel, einen möglichst guten Preis zu erhalten. Sein Ziel ist es stattdessen, eine möglichst starke Kursbewegung zu erzeugen.

In der bereits erwähnten Ad-hoc-Meldung und in unserer Rubrik „Leserfragen“, die am Mittwoch aktualisiert wurde, diskutieren wir auch die Frage, wer hinter den offensichtlichen Manipulationen des Goldmarktes stecken mag. Dabei kommen wir zu dem Ergebnis, dass Kursmanipulationen dieser Art gewöhnlich schnell vorüber sind und deshalb eine Kaufgelegenheit darstellen.      

Bullishe Charttechnik weiterhin intakt      

Wie Sie auf dem folgenden Goldchart sehen, ist aus charttechnischer Sicht durch diesen absichtlich herbeigeführten Kursrückgang kein großer Schaden entstanden. Es wurden lediglich noch einmal kurz die März 2020-Tiefs getestet. Dabei lag der Tagesschlusskurs mit 1.727 $ pro Unze deutlich über dem Tagestief von 1.675 $. Das ist ein wichtiger Hinweis, dass der Kurs nicht weiter fallen wird.

Das gilt umso mehr, da wichtige Momentum-Indikatoren im Unterschied zum Goldkurs noch nicht einmal unter ihre Juni-Tiefs gefallen sind. Hier ist also eine ausgeprägte positive Divergenz entstanden. Darüber hinaus deuten noch mehrere andere Kennzahlen darauf hin, dass der Goldpreis sehr bald wieder steigen und neue Jahreshochs erreichen wird. Deshalb sehe ich in diesem Rückgang des Goldpreises eine sehr gute Kaufgelegenheit.      

Goldpreis pro Unze in $, Momentum-Oszillator, 2020 bis 2021     

Im Unterschied zum Goldpreis ist der Momentum-Oszillator nicht unter sein Juni 2021-Tief gefallen (Pfeile). Hier ist also eine bullishe Divergenz entstanden. Quelle: StockCharts.com 

Interview mit Michael Mross und Warnsignale für die Börse      

Am Mittwochabend habe ich mich in Berlin wieder einmal mit dem von mir sehr geschätzten Michael Mross von mmnews.de zu einem Glas Wein und einem sehr anregenden Gedankenaustausch über Edelmetalle, die Aktienmärkte und zahlreiche andere Themen getroffen. Einen kleinen Teil unseres langen Gesprächs hat Herr Mross aufgezeichnet. Dieses 17-minütige Interview können Sie sich hier auf meiner Krisensicher Investieren Homepage anschauen.

An dem historisch überbewerteten US-Aktienmarkt mehren sich die Warnsignale. Deshalb ist das markttechnische Geschehen der nächsten Wochen von größter Bedeutung für die weitere Entwicklung. Halten Sie sich auf dem Laufenden und investieren Sie richtig mit Krisensicher Investieren – jetzt 30 Tage kostenlos.

Claus Vogt, Chefredakteur Krisensicher Investieren



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