Wussten Sie, dass Robinhood seine Kundenorders verkauft?

von Claus Vogt, 11.08.2021, 14:53 Uhr

Seit Anfang 2020 hat die Anzahl neuer Aktionäre und Spekulanten in den USA und in Europa drastisch zugenommen. Wie zuletzt in den Jahren 1999/2000 kamen die Discountbroker auch in den vergangenen Monaten mit der Bearbeitung neuer Kontoeröffnungsanträge kaum hinterher, so groß war die Nachfrage.      

Stark wachsendes Interesse an der Börse ist typisch für die Endphase einer Hausse      

Zu einer derart starken Zunahme an Neuaktionären, wie wir sie jetzt beobachten konnten, kam es in der Vergangenheit nur in den letzten Monaten großer Spekulationsblasen.

Diese Beobachtung gilt auch für das Spekulieren auf Kredit. So ist die Summe der US-Wertpapierkredite ebenfalls sehr stark gestiegen. Sowohl in absoluten Zahlen als auch im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt eilt diese Spekulationskennzahl nun schon seit Monaten von Rekord zu Rekord.      

Das Reservoir an Neubörsianern ist begrenzt     

Wie Sie an diesen beiden Beispielen sehen, halten die extremen spekulativen Übertreibungen, auf die ich Ihre Aufmerksamkeit in den vergangenen Monaten gelenkt habe, nahezu unvermindert an. Fortsetzen können sie sich aber nur, solange neue Spekulanten an die Börse strömen.

Doch dieses Reservoir ist endlich und mittlerweile weitgehend ausgeschöpft. Darauf deutet zumindest das Geschehen bei Robinhood hin, dem kometenhaften Newcomer unter den amerikanischen Discountbrokern.

Dessen extrem starkes Wachstum hat sich im zweiten Quartal dieses Jahres deutlich abgeschwächt. Gleichzeitig wird die sehr berechtigte Kritik an der aggressiven Vorgehensweise des Unternehmens und den Details seines Geschäftsmodells lauter. 

Robinhoods Geschäftsmodell sollten Sie kennen     

Robinhood hat den Markt der Discountbroker aufgemischt, indem es seinen Kunden den scheinbar kostenlosen Handel mit Wertpapieren anbietet. Ziel der beiden Firmengründer Vladimir Tenev und Bajiu Bhatt ist es, den Finanzmarkt für alle „zu demokratisieren“.

Haben Sie sich vielleicht auch schon gefragt, wie Robinhood sein Geld verdient, wenn es keine Gebühren erhebt? Das geht ganz einfach: Anstatt transparente Transaktionsgebühren in Rechnung zu stellen, verkauft Robinhood die Kundenorders an Fonds, die im Hochfrequenzhandel aktiv sind.

Diese Fonds erkaufen sich auf diese Weise einen klaren Wettbewerbsvorteil gegenüber den Robinhood-Kunden, indem sie deren Kauf- und Verkaufsorders kennen und schon vor deren Ausführung vermutlich Gewinn bringend und risikolos darauf reagieren können. 

Die SEC ermittelt     

Das Nachsehen haben natürlich die Robinhood-Kunden, die schlechtere Ausführungskurse erhalten. Bedenken Sie: Im ersten Quartal 2021 stammen 81% der Einnahmen von Robinhood aus dieser dubiosen Quelle.

Inzwischen beschäftigen sich die Aufsichtsbehörden mit diesem Geschäftsmodell. In den USA wurde von der SEC eine Untersuchung eingeleitet, mit der geklärt werden soll, wie hoch der völlig intransparente Preis tatsächlich ist, den Robinhood-Kunden über den Umweg systematisch schlechterer Orderausführungen zahlen.

Gleichzeitig hat die europäische Aufsichtsbehörde Zweifel geäußert, ob dieses Geschäftsmodell den MiFID II-Regularien entspricht, die den Brokern vorschreiben, für ihre Kunden stets den besten Ausführungskurs sicherzustellen.

Trotz schwachem Börsengang bleibt das Interesse ungebrochen 

Trotz dieser Entwicklungen, die das Geschäftsmodell von Robinhood ernsthaft bedrohen, ging das Unternehmen am 29.7.2021 an die Börse. Und obwohl der Börsengang zunächst floppte und der Aktienkurs um 10% einbrach, schoss der Kurs dann in nur zwei Tagen von 38 $ auf 85 $ in die Höhe, bevor er einen Großteil dieser Gewinne wieder abgab und am Donnerstag bei 50 $ schloss. 

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„Man kann die Parteien nach eher freiheitlicher und überwiegend kollektivistischer Programmatik unterscheiden, wobei Überschneidungen häufig sind. Staatlicher Interventionismus spielt bei allen Parteien eine große Rolle. Die kollektivistischen Parteien legen den Hauptwert auf die absolute Gleichheit, während bei anderen Parteien die individuelle Freiheit stärker akzentuiert wird.“      

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Claus Vogt, Chefredakteur Krisensicher Investieren



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